

Im September 2005 war ich in dem kleinen Dorf Cabo de San Francisco,
Esmeraldas Voluntärin. Meine Aufgabe war es, nach Heilpflanzen und
deren Anwendung im Dorf und seiner Umgebung zu suchen. Am Anfang hatte
ich ein paar Schwierigkeiten mich einzugewöhnen. Aber die
Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit der mich die Leute aufnahmen,
ließen mich schnell diese anfänglichen Schwierigkeiten überwinden, so
dass sich mein Aufenthalt in eine tolle Zeit verwandelte, in der ich
viel gelernt habe, und die ich nicht vergessen werde.
Ich habe in dem Haus von Enrique Cobena, dem lokalen Betreuer,
gewohnt. Da ich direkt in einer Familie wohnte, konnte ich so einen
besseren Eindruck von der Lebensweise der Leute mitbekommen konnte. Ich
bin Enrique und seiner Frau für ihre herzliche Gastfreundschaft sehr
dankbar. Schon gleich zu Anfang habe ich mich als Teil der Familie
gefühlt und konnte über jedes Problem mit ihnen reden. Weil es für sie
normal war, habe ich mich schnell daran gewöhnt, dass es in ihrem Haus
kein fließendes Wasser gab und man sich mit einem Eimer duschen musste.
Gegessen habe ich in einer anderen Familie, der Familie von
Jordan Figueroa, dem Präsidenten der Fundación. Seine Frau Sonia Bass
hat uns immer mit reichlich und leckerem Essen versorgt. Ich musste
mich nur daran gewöhnen, Reis auch zum Frühstück zu essen. In ihrer
Familie wurde ich ebenfalls sehr herzlich aufgenommen. Sie haben viele
Kinder und ich als Einzelkind habe mich gefreut zum ersten Mal ganz
viele Geschwister zu haben. Bei ihnen habe ich die meiste Zeit
verbracht und größtenteils wegen Ihnen wird mein Aufenthalt immer tief
in meinem Herzen bleiben.
Wie die beiden Familien mich behandelt haben, so haben mich
auch die anderen Einwohner des Dorfes aufgenommen, mit viel
Herzlichkeit und Großzügigkeit. Immer wenn ich zur Arbeit ging, war ich
etwas spät dran, weil ich mich zuvor mit Leuten aus dem Dorf
unterhalten habe, die ich auf dem Weg dorthin getroffen hatte. Mit
großer Neugier haben sie mich nach meinem Land und meinem Leben
gefragt. Nie habe ich mich, wie eine Ausländerin, sondern eher wie eine
interessante Person zum Unterhalten gefühlt. Das war ein sehr schönes
Gefühl.
Am Anfang konnte ich noch nicht sehr gut Spanisch, habe es
aber dort schnell gelernt und am Ende war es nicht mehr so schwer eine
Unterhaltung zu verstehen. Ich hatte den Vorteil, dass ich die einzige
Voluntärin zu dieser Zeit war und so ständig Spanisch sprechen musste.
Die Bewohner von San Francisco sprechen allerdings schneller als in
Quíto, aber noch einiger Zeit gewöhnt man sich daran.
Meine Arbeit basierte auf der Untersuchung von Brandon Whitney
aus dem Jahr 2004. So wie er, habe ich Hebammen und einige ältere
Frauen, die viel über Heilpflanzen wussten, interviewt. Auch viele der
übrigen Bewohner wussten erstaunlich viel über Heilpflanzen und ihre
Verwendung, so dass ich am Ende ca. 80 Pflanzen mit heilendem Effekt
gesammelt hatte. Die Pflanzen habe ich mitgenommen, um sie zu trocknen
und sie in einem Herbarium aufzunehmen. Einige Pflanzen habe ich für
die neue Apotheke, die gerade von der Fundación gebaut wird,
eingepflanzt. Am Ende habe ich alle Informationen, die ich
zusammengetragen habe, in einem Abschlussbericht zusammengefasst.
Dieser enthielt Fotos der Pflanzen, sowie Informationen zum Fundort und
ihrer Verwendung.
Obwohl zu der Zeit keine anderen Wissenschaftler anwesend
waren, hatte ich viel Unterstützung von meinem Betreuer Enrique Cobena,
so dass ich mich mit meiner Arbeit nicht allein gelassen gefühlt habe.
Ein besonderes Erlebnis war es Pflanzen in Chipa zu suchen, einem
kleinen Ort, ca. 2 Stunden vom Cabo entfernt und fast direkt im
Regenwald. Dort hat uns ein Herr, der noch die Pflanzenkenntnisse
seines Vaters besaß, Heilpflanzen aus dem Regenwald gezeigt, die noch
nicht so bekannt sind. In der Nacht schliefen wir zu den Geräuschen des
Regenwaldes ein.
Jeden zweiten Nachmittag habe ich der "Umweltgruppe" und
anderen Leuten aus dem Dorf Englischunterricht gegeben. Die
"Umweltgruppe" besteht aus Einwohnern, die sich um die Umwelt und die
Entwicklung von Cabo San Francisco kümmern. Die Mitglieder widmen sich
sehr ernsthaft dieser Aufgabe und es herrscht ein sehr angenehmes Klima
in der Gruppe. Ich hatte das Gefühl, die Gruppe mit meiner Arbeit
unterstützen zu müssen. Der Englischunterricht war eine gute
Möglichkeit.
In der Freizeit habe ich viel unternommen. Schnell kannten mich fast
alle Kinder des Dorfes und ich war fast immer in Begleitung von
mindestens einem von ihnen. Wir spielten in der Straße und am Strand.
Außerdem habe ich einige Wanderungen am Strand und im Regenwald
unternommen. Im an Bäumern wachsen und nicht auf dem Speisetisch oder
an der Ladentheke. Ich glaube, ich bin die ganze Zeit mit offenem Mund
durch die Gegend gewandert. Die Freunde aus dem Cabo, die mich
begleiteten, konnten mich gar nicht verstehen. Für sie ist es normal,
sie können immer in den Regenwald gehen und sich einige Früchte von den
Bäumen holen, wenn sie Hunger haben.
Samstagabends wurde getanzt. Am Ende meines Aufenthalts gab es sogar 3
Diskotheken in dem kleinen Dörfchen. Das Tanzen in Deutschland kann man
einfach nicht mit dem Tanzen im Cabo vergleichen. Die Leute sind viel
ausgelassener und fröhlicher. Ich hatte den Eindruck, dass sie beim
Tanzen all ihre Probleme vergessen können. Es ist unglaublich, wie sie
sich zum Rhythmus des Salsa bewegen können. Da versucht man als
Europäerin vergeblich irgendwie die Hüfte zu bewegen. Allerdings muss
ich mit Stolz sagen, dass ich dank meines Tanzlehrers schon einiges
gelernt habe und am Ende nicht mehr ganz so steif über die Tanzfläche
"gesalst" bin.
Es gibt viele Probleme im Cabo. Das größte ist die Armut, die
alle anderen Probleme beeinflusst und hervorbringt. Nach meinem
Aufenthalt mache ich mir Sorgen um das Dorf und seine liebenswerten
Bewohner. Ich hoffe, die medizinische Situation, die schulische
Bildung, die Wasserversorgung und das Abfallsystem wird sich
verbessern. Die Fundación Cabo San Francisco führt dafür schon einige
Projekte, wie den Bau der Apotheke und Projekte zur Abfallbeseitigung,
durch. Aber dafür braucht sie viel Unterstützung..
Ich habe während meines Aufenthalts viel gelernt. Ich habe
eine unglaubliche Herzlichkeit erfahren, viele interessante nette
Menschen und ein anderes Leben kennen gelernt. Esr war sehr schwer
diesen Ort zu verlassen. Leider ist es nicht möglich, den Leuten, das
zurückzugeben, was sie mir gegeben haben. Aber ich hoffe, mit meiner
Arbeit konnte ich ihnen etwas helfen. Was mir bleibt, ist ihnen von
ganzem Herzen zu wünschen, dass sich ihre Situation verbessert und dass
sie immer ihre Fröhlichkeit bewahren.
Trotz all der Probleme ist und bleibt das Cabo für mich ein Paradies, zu dem ich hoffe, eines Tages zurückkehren zu dürfen.
Sarah Moritz
Trackback URL for this post:
http://www.fcsf.org/de/trackback/88